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WITRON realisiert automatisches Karton- / Tablar-Logistikzentrum für Pepperl+Fuchs

Die Pepperl+Fuchs GmbH, eines der weltweit führenden Unternehmen für industrielle Sensorik und Technologie im Explosionsschutz, hat Anfang 2012 in seinem europäischen Zentrallager am Stammsitz Mannheim ein automatisiertes Logistik- und Kommissioniersystem in Betrieb genommen. Im Jahr 2015 wird das Asien-Distributionzentrum in Singapur ebenfalls auf Automatisierung umstellen. Planer und Generalunternehmer ist in beiden Fällen der Parksteiner Systemintegrator WITRON Logistik + Informatik GmbH.

Aufgrund eines konstanten Unternehmenswachstums, der Erschließung neuer Marktsegmente sowie durch die konsequente Umsetzung individueller Kundenwünsche stießen die bestehenden Logistikkapazitäten von Pepperl+Fuchs am Hauptsitz Mannheim an ihre Grenzen. „Auch mit unserem alten Lager haben wir unsere Kunden stets optimal versorgt. Zur Erreichung unserer Logistikziele sowie der notwendigen hohen Lieferperformance war jedoch ein immer höherer Aufwand erforderlich, der zusätzlich durch steigende Umsätze, kleiner werdende Bestellmengen und höhere Anforderungen der Kunden vergrößert wurde. Da aber unser mehr als zwanzig Jahre altes automatisches Lager, mit dem wir damals mit zu den Pionieren der automatisierten Lagertechnik zählten, unseren Anforderungen hinsichtlich Kapazität und Technik nicht mehr optimal gewachsen war, die Wartungsintensität stetig zunahm und die Versorgung mit Ersatzteilen immer schwieriger wurde, haben wir uns für einen Neubau entschieden“, erklärt Ulrich Weiß, Leiter Materialwirtschaft und Logistik bei Pepperl+Fuchs. 

Mit dem Bau des neuen European Distribution Center (EDC) in Mannheim setzt der Automatisierungsspezialist in der Lagerung und Kommissionierung nun auf eine moderne automatisierte Logistiklösung von WITRON, die die Effizienz und Wirtschaftlichkeit in allen Abläufen und Prozessen deutlich steigert und auch für die Zukunft Raum für zusätzliches Wachstum schafft. „Schnelligkeit, Zuverlässigkeit und Qualität sind neben einer optimalen Wirtschaftlichkeit für uns dabei die absolut entscheidenden Aspekte“, sagt Weiß. „Denn das Geschäft mit Automatisierungstechnik ist auf kurzfristige Lieferzeiten ausgelegt. Ein Großteil der heute eingehenden Bestellungen muss europaweit bereits am nächsten Tag beim Kunden sein“. Diese extrem hohe Termintreue sowohl gegenüber den externen Kunden als auch gegenüber der eigenen Produktion in Kombination mit einer äußerst geringen Fehlerrate wird vom Markt gefordert. Darüber hinaus sollten möglichst alle kundenspezifischen Zusatzwünsche erfüllt werden können. „Mit dem neuen Logistikzentrum konnten wir jedoch nicht nur die Anforderungen unserer Kunden erfolgreich umsetzen. Auch den Ansprüchen unserer Mitarbeiter nach ergonomischen, hellen und übersichtlichen Arbeitsplätzen wurden wir gerecht“ meint Martin Preuninger, im EDC Projektleiter IT und Logistik. Vom Planungsbeginn bis zur Inbetriebnahme verging nur etwas mehr als ein Jahr. Im Rahmen einer „sanften Hochlaufphase“ erfolgte anschließend der schrittweise Umzug vom alten Lager in das neue Distributionszentrum. 

Hohe Flexibilität für Mengenschwankungen

Aus dem EDC beliefert Pepperl+Fuchs seit Anfang 2012 sowohl alle seiner europäischen Kunden direkt mit  Fertigprodukten als auch die beiden Verteilzentren in den USA und Singapur. Außerdem werden sämtliche weltweiten Produktionsstätten von Mannheim aus mit den hier eingekauften Rohwaren und hergestellten Baugruppen versorgt. 

Den Auftrag für die Realisierung des neuen Distributionszentrums erhielt der Parksteiner Systemintegrator WITRON Logistik + Informatik GmbH. WITRON konnte im Rahmen der Ausschreibung mit dem Order Picking System (OPS) überzeugen, welches sich weltweit in unterschiedlichsten Branchen und E-Commerce-Anwendungen durch das wirtschaftliche Handling breiter Artikelspektren bewährt hat. OPS ermöglicht die Lagerung und Kommissionierung in einem System. Die modular aufgebaute Lösung ist eine Integration von automatischem Kleinteilelager (AKL) und vorgelagerten Kommissionierplätzen, welche durch Sequenzpuffer - oder wie bei Pepperl+Fuchs innovativ umgesetzt - durch eine QVW-Lösung (Querverschiebewagen) von der Geschwindigkeit der Regalbediengeräte weitestgehend entkoppelt sind. Dies ermöglicht höchste Individualität bei sämtlichen Arbeitsprozessen. Die Artikel werden im OPS an den Pick- und Pack-Arbeitsplätzen nach dem Ware-zum-Mann-Prinzip auftragsbezogen bereitgestellt. Durch die Flexibilität des Systems können auf den Tablaren Behälter, Kartons, oder Kleinladungsträger mit unterschiedlichen Größen, Höhen und Unterteilungen eingesetzt werden. Die Arbeitsplätze werden je nach Auftragslast variabel besetzt. 

Modulare Logistiklösung auf zukünftiges Wachstum ausgerichtet

Das 4.200 m2 große EDC umfasst ein fünfgassiges Tablar-AKL mit 32.000 Stellplätzen sowie einen konventionellen Bereich mit 1.000 Palettenstellplätzen. Im AKL lagern alle tablarfähigen Artikel, mit Ausnahme der Langsamdreher. Das Palettenlager übernimmt auch die Nachschubfunktion für das AKL. Um die hohe Anzahl von mehr als 56.000 verschiedenen Artikeln effizient und platzsparend zu lagern, sind die für Lagerung verwendeten Tablare bis zu achtfach unterteilt. Die Belegung der Tablare wird im Wareneingang automatisch gescannt. 

Die Kommissionierung von täglich bis zu 4.800 Orderlines erfolgt an fünf Kommissionierplätzen und neun Packplätzen im Pick- und Pack-Verfahren direkt in den Versandkarton oder in den Auftragskarton für die Produktionsversorgung. Dies entspricht einer Kommissionierleistung von 500 Picks in der Stunde. Dabei können an jedem Kommissionierplatz bis zu acht Kundenaufträge parallel bearbeitet werden. Eine Vielfachabsicherung, bestehend aus Pick-by-Light-System, Place-to-Light und Flächenscannung, gewährleistet höchste Kommissioniersicherheit. Kundenaufträge mit Artikeln sowohl aus dem AKL als auch aus dem Paletten- bzw. Langgutlager werden an einem separaten Arbeitsplatz zu einer Liefereinheit zusammengeführt. Die Kommissionierer im Palettenlager / Langgutlager arbeiten unterstützt durch ein WITRON-Datenfunksystem. Bei der Gestaltung aller Arbeitsplätze standen hohe ergonomische Anforderungen im Vordergrund. Querverschiebewagen ermöglichen einen hohen Automatisierungsgrad, verbinden effizient alle Lagerbereiche vom Wareneingang bis zum Warenausgang und ermöglichen ein lückenloses Tracking aller Logistikeinheiten im System. Die Projektrealisierung erfolgt durch WITRON als gesamtverantwortlicher Generalunternehmer. Der Liefer- und Leistungsumfang enthielt die Projektfeinplanung sowie die Lieferung und Inbetriebnahme sämtlicher Mechanik-, Materialfluss-, IT-, und Steuerungssysteme. Auch der komplette AKL-Stahlbau wurde von der WITRON-Tochter FAS selbst projektiert. 

Pepperl+Fuchs liefert komplette Sensorik für das Lager

Das umfangreiche Produktportfolio von Pepperl+Fuchs für die Sensorik ermöglichte es, dass sämtliche im Rahmen des Materialflusses erforderlichen Befehlsgeber, Lichtschranken, Scanner, Flächenscanner und induktive Näherungsschalter von Pepperl+Fuchs selbst geliefert wurden. Im hauseigenen EDC wurden beispielsweise über 1.000 Sensoren verbaut. Ein besonderes Highlight ist der 2D-Laserscanner R2000: ein interaktiver Hochleistungsscanner mit 360 Grad Rundumsicht – nominiert für den Hermes-Award und ausgezeichnet mit dem Innovation Award 2012. Mit Hilfe dieses Sensors stellt Pepperl+Fuchs sicher, dass vom Kommissionierer der richtige Artikel im richtigen Kundenauftragskarton abgelegt wird.

Da Pepperl+Fuchs auch fast alle WITRON-Wettbewerber mit Sensorik ausstattet, musste bei der Auswahl des ausführenden Logistikpartners die höchstmögliche Sorgfalt an den Tag gelegt werden. „Wir wollten alle Anbieter, zu denen wir ein sehr langfristiges und vertrauensvolles Verhältnis pflegen, fair und transparent behandeln“, betont Ulrich Weiß. „Denn den Auftrag für die Ausstattung des EDC`s konnten wir nur einem Anbieter erteilen.“ Eine solche Situation sei sicher nicht alltäglich. 

Order Picking System (OPS) plus Querverschiebewagen (QVW) im Einsatz

„Für WITRON haben wir uns entschieden, weil uns die OPS-Lösung in Verbindung mit dem QVW-Konzept von allen eingereichten Lösungsvorschlägen am meisten überzeugt hat“, erklärt Pepperl+Fuchs-Logistikchef Weiß. „Es handelt sich um eine innovative Technik, die eine hohe Anlagenleistung mit effizienter Kommissionierung bei geringsten Fehlerraten ermöglicht. Das Konzept ist platzsparend, hoch verfügbar und passt exakt auf unsere bauliche Infrastruktur. Des Weiteren werden alle Arbeitsplätze vom Wareneingang bis zum Warenausgang mit Querverschiebewaren  ver- und entsorgt, was dazu noch etliche Meter an Fördertechnik spart, da große Loop- oder Sortierstrecken nicht benötigt werden.“ Beeindruckend ist die Schnelligkeit der Querverschiebewagen und Regalbediengeräte, welche von der GEBHARDT Fördertechnik GmbH bzw. der WITRON-Tochter FAS konstruiert und gebaut wurden. So sei die einmal im Wareneingang erfasste Ware sofort im System verfügbar und könne direkt und unmittelbar wieder einem Kundenauftrag zugewiesen werden („Taxi-Priorität“). Auch die intensive und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit WITRON habe von Anfang an gut funktioniert. „Ein weiteres wichtiges Entscheidungskriterium war, dass wir bei WITRON – beginnend vom ersten Besuch und über alle Projektphasen hinweg – vom gleichen Team betreut wurden, welches mit hoher Motivation und Professionalität mit uns zusammengearbeitet hat“.

Logistiklösungen dieser Art bezeichnet man bei WITRON als „Kompaktprojekte“ (WKP). Hierunter versteht man Projekte mit einem fokussierten, sehr eng verzahnten Setup. Die Lösung basiert meist auf einem erprobten Standardmodul ergänzt durch einen hohen kundenspezifischen Individualanteil. Federführend werden WITRON-Kompaktprojekte von Josef Gallersdörfer realisiert. Er ist als Prokurist und Mitglied der Geschäftsleitung mit seinem Team für die gesamtverantwortliche Umsetzung – beginnend bei der Planung bis hin zur After-Sales-Betreuung der Anlage – zuständig. 

Auftragsannahmezeiten deutlich nach hinten verlegt

Nach einem schrittweisen Umzug aus dem alten Logistikzentrum in das neue, verbunden mit einer parallel dazu verlaufenden Synchronisierungsphase, arbeitet das System äußerst zufriedenstellend und mit einer extrem hohen Performance. „Während der Hochlaufphase mussten wir lernen, mit der neuen Technik und Steuerung richtig umzugehen“, so Preuninger. „Daher war es wichtig, im Vorfeld die Mitarbeiter und Service-Techniker intensiv gemeinsam mit WITRON zu schulen und auch bei wichtigen Entscheidungen mit einzubeziehen. Die Mitarbeiter hatten zwar schon Erfahrung in einem automatischen Lager, die Arbeitsprozesse waren aber nicht mit der modernen Technologie zu vergleichen, die wir jetzt einsetzen“.

Auch für die Zukunft sieht sich Pepperl+Fuchs gut gerüstet. „Eine weiterhin steigende Anzahl an Kundenaufträgen können wir mit gleicher Mannschaft und hohem Servicegrad problemlos bewältigen“, sagt Ulrich Weiß. „Wir verfügen aber nicht nur über ausreichend Reserven für die Zukunft – mit der neuen Lager- und Kommissioniertechnik können wir nun auch sehr viel effizienter auf kurzfristig schwankende Aufragslasten reagieren.“ Außerdem konnte der Automatisierungstechniker seine Cut-Off-Zeit für die spätestmögliche Auftragsannahme bereits heute deutlich näher an den Abfahrtstermin der Frachtfirmen schieben.  Die Kunden werden dann– in aller Regel am nächsten Tag – mit der bestellten Ware beliefert. Damit trage man dem ebenfalls veränderten – kurzfristigeren – Bestellverhalten der Kunden Rechnung und sehe hier sogar noch weiteres Optimierungspotenzial. Auch hinsichtlich Service und Wartung bietet die neue Technologie zahlreiche Vorteile. So sind beispielsweise alle Lastaufnahmemittel der Regalbediengeräte mit Kameras ausgestattet. Bei einer Störmeldung im AKL kann der Grund zunächst mittels Kamera begutachtet werden, bevor ein Techniker im AKL aufsteigen muss.

Pepperl+Fuchs automatisiert 2015 auch Zentrallager in Singapur

Neben dem European Distribution Center in Mannheim unterhält Pepperl+Fuchs jeweils noch ein Zentrallager für Amerika und Asien. Im Jahr 2015 wird ein Global Distribution Center (GDC) in Singapur ebenfalls mit einer automatisierten Lager-und Kommissionierlösung eröffnet. Auch der Zuschlag für dieses Projekt ging an WITRON. Derzeit befinden sich die Partner in der Planungsphase, die wiederum sehr intensiv werden wird. „Das Lager in Singapur wird von der Kapazität etwa dreimal so groß wie das in Mannheim“, so Martin Preuninger,  seit kurzem auch Projektleiter Logistik für das neue GDC (Global Distribution Center) in Singapur „Außerdem haben wir in Singapur die Herausforderung, dass die verfügbaren Flächen sehr knapp sind und zwangsläufig in die Höhe gebaut werden muss.“ 

Die Planung sieht vor, dass das Lager in unmittelbarer Nähe zur asiatischen Pepperl+Fuchs-Hauptproduktion aus diesem Grund auch über mehrere Stockwerke verfügen und eine Höhe von rund 35 Metern haben wird. Die einzelnen Stockwerke werden dann mittels Fördertechnik miteinander verbunden sein. 

Das Gesamtpaket aus Technik, Konzeption und persönlichem Engagement habe auch hier wieder den Ausschlag für eine Zusammenarbeit mit WITRON gegeben. „Obwohl wir mit den Ergebnissen in Mannheim sehr zufrieden sind, musste sich WITRON erneut einem harten Wettbewerb stellen. Lokale Anbieter aus Asien waren mit im Rennen. Doch auch beim Singapur-Projekt haben uns die Parksteiner mit ihrem für diesen Standort entwickelten Konzept überzeugt“, erklärt Preuninger. Natürlich erhofft sich Pepperl+Fuchs zusätzliche Synergieeffekte aufgrund der gleichen Abläufe, der gleichen IT und der bisher gesammelten Erfahrungswerte in der Logistik-Partnerschaft. „So ist zum Beispiel der problemlose Austausch von Fachkräften auch in den Lagerbereichen möglich“, sagt Preuninger. „Das erleichtert die Hochlaufphase und steigert das weltweite Know-how und die Qualität in unserer logistischen Abwicklung noch weiter.“

Für WITRON selbst ist das nicht das erste Projekt in Asien. Projektrealisierungen auf diesem Kontinent erfordern eine besonders sorgfältige Planung. „Wir müssen zum Beispiel die Kultur richtig gut kennen, weil sich hieraus zum Teil auch ganz neue Anforderungen an die unternehmerischen und logistischen Prozessabläufe ergeben“, sagt WITRON-Business-Manager Josef Gallersdörfer. „Trotz der deutlich größeren Dimension des Verteilzentrums ist es unser Anspruch, dies ebenso schnell, unbürokratisch und erfolgreich umzusetzen, wie wir es in Mannheim geschafft haben.“

Autor: Thomas Wöhrle, Fachjournalist, Karlsruhe