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„Logistik ist für uns eine absolute Kernkompetenz“

Ersatzteilspezialist Febi Bilstein automatisiert mit Witron seine Logistikprozesse

Foto: Witron

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Trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen konnte der Ersatzteilspezialist Febi Bilstein den Umsatz in seinem Kernmarkt, dem Handel mit Pkw- und Lkw-Ersatzteilen, auch im Krisenjahr 2009 auf hohem Niveau konstant halten. Einer der Gründe hierfür ist u.a. die Inbetriebnahme eines neuen, automatisierten Logistikzentrums des Parksteiner Generalunternehmers Witron, in dem Febi vor allem in Bezug auf Schnelligkeit und Liefertreue entscheidende Vorteile gegenüber Wettbewerbern sieht.

Von Thomas Wöhrle*

„Logistik ist für uns eine absolute Kernkompetenz“, sagt Dieter Siekermann, Geschäftsführer der Ferdinand Bilstein GmbH & Co. KG mit Sitz im nordrhein-westfälischen Ennepetal. „Aus diesem Grund sehen wir das neue Logistikzentrum auch als ein Zeichen des Aufbruchs und des Ansporns an und wollen dadurch nicht nur unsere Marktführerschaft im Logistikbereich weiter ausbauen, sondern auch die Erhaltung von Arbeitsplätzen am Standort Ennepetal langfristig sicherstellen“. Die Aspekte Schnelligkeit und Verfügbarkeit spielen für den Ersatzteilspezialisten dabei die entscheidende Rolle, da die Febi-Kunden ihrerseits immer weniger Lagerkapazitäten vorhalten wollen und aus diesem Grund die Sendungsgrößen immer kleiner werden – die Bestellhäufigkeit andererseits jedoch immer stärker zunimmt. Verglichen mit 2008 betrug der Anstieg der Kleinmengensendungen fast 20%. „Heute verfügen wir über ein absolut zukunftssicheres Logistiksystem, das höchstmögliche Effektivität, Wirtschaftlichkeit und Flexibilität miteinander vereint“, so Siekermann. „Unser Anspruch der Leistungs- und Kostenführerschaft innerhalb der Branche wird dadurch weiter untermauert und bringt uns einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil.“ 

„Vor der Vergabe haben wir verschiedene manuelle- und automatisierte Varianten durchgerechnet und uns dann für Witron entschieden. Die Wahl fiel dabei auch bewusst auf einen Generalunternehmer, der ohne Schnittstellen alles aus einer Hand liefern kann“ erläuterte Inhaber Dieter Siekermann die Investitionsentscheidung. „Wichtig war für uns auch, dass Witron und Febi inhabergeführte Familien- Unternehmen mit ähnlichen Strukturen sind“ so Sieckermann.

Liefertreue auf mehr als 99 Prozent gesteigert
Insgesamt rund 35 Millionen Euro hat Febi Bilstein in das neue Logistikzentrum investiert, das Ende Oktober 2008 offiziell eröffnet wurde und seit März 2009 in vollem Umfang seinen Betrieb aufgenommen hat. Der Invest für den Witron-Liefer- und Leistungsumfang betrug dabei etwa 19,5 Mio Euro. Die neue Anlage wurde nach dreieinhalbmonatigem Parallelbetrieb an ein bestehendes halbautomatisches Palettelager und  ein viergassiges OPS-System mit 38.000 Behälterplätzen angebunden, welches von Witron bereits 2004 realisiert wurde. Dabei war die Lieferfähigkeit von Febi zu keinem Zeitpunkt der Umstellung auch nur annähernd gefährdet. Mittlerweile hat sich die Produktverfügbarkeit erhöht und die Liefertreue sowohl im speditionellen als auch im Bereich der Expresslieferungen auf mehr als 99 Prozent deutlich gesteigert. Mit dem neuen Distributionszentrum ist Febi in der Lage, mehr als 20.000 verschiedene Artikel platzsparend zu lagern. Gemäß der geplanten Anlagenleistung können zukünftig über 230.000 Picks, dies entspricht 27.000 Orderlines pro Tag, effizient bearbeitet werden. 

„Für die Zukunft sind wir mit der Kapazität der neuen Anlage bestens aufgestellt – wir gehen davon aus, dass wir trotz weiter steigendem Durchsatz und positiver Geschäftserwartung mittelfristig keinen weiteren Ausbau des Logistikzentrums durchführen werden müssen“, sagt Febi-Logistikleiter Frank Boecker. Die alten Paletten- und  Behälterlager fungieren zurzeit als Nachschublager, und könnten bei Bedarf problemlos als weitere Leistungsreserve dem logistischen Gesamtkonzept wieder zugeführt werden. 

Logistische Flexibilität ermöglicht Sonderabwicklungen
Die Anforderungen an die Febi-Logistik werden immer vielschichtiger. „Aufgrund landesspezifischer gesetzlicher Vorgaben sind wir zum Beispiel in mehreren Märkten dazu verpflichtet, individuelle Sonderetiketten auf unsere Ware anzubringen“, beschreibt Febi-Logistikleiter Frank Boecker beispielhaft die zunehmend geforderte Flexibilität an die logistische Abwicklung. „Ohne die Möglichkeiten, die uns das Witron-System heute bietet, wären wir gar nicht mehr -oder nur noch mit einem unverhältnismäßig hohen Aufwand - in der Lage gewesen, diese Märkte überhaupt zu beliefern und diese individuellen Anforderungen zu beherrschen. Mit dem neuen Distributionszentrum finden wir auf jede Anforderung die passende Antwort. Es ist eine wichtige Voraussetzung, um neue Märkte zu erschließen und optimal betreuen zu können“ so Boecker.

Witron-Systemmodule optimieren Behälter –und Palettenkommissionierung
Die Lager- und Kommissioniertechnik im neuen zehngassigen automatischen Kleinteilelager mit 98.000 Behälterplätzen basiert auf dem Witron-Systemmodul OPS (Order Picking System). Im siebengassigen Hochregallager mit etwa 40.000 Stellplätzen kommt das Paletten-Kommissioniersystem MPS (Module Picking System) zum Einsatz. In Kombination decken die beiden Systeme die große Bandbreite des Febi-Ersatzteilprogramms ab. 

OPS ist eine Integration von automatischem Kleinteilelager (AKL), Verteiler-Loop und vorgelagerten Kommissionierplätzen. Es ermöglicht die Lagerung und Kommissionierung in einem System und hat sich in zahlreichen Anwendungen weltweit für das automatisierte Handling von sehr breiten Artikelspektren als äußerst wirtschaftlich und effizient erwiesen. Eine Entkopplung der Ein- und Auslagerprozesse vom Kommissionierungsprozess durch integrierte Sequenzpuffer verleiht dem System eine hohe Dynamik. Die Artikel werden im OPS an den Kommissionierarbeitsplätzen nach dem Ware-zum-Mann-Prinzip auftragsbezogen und sequenziell bereitgestellt, kommissioniert und anschließend in den Versandkarton verpackt. Die optimale Größe des Versandkartons wird anhand einer vorausgegangenen Volumenkalkulation ermittelt.

Schwere, großvolumige und sperrige Artikel werden bei Febi mit dem Paletten-Kommissioniersystem MPS (Module Picking System) wirtschaftlich und effizient  gelagert und kommissioniert. MPS ist ein Ware-zum-Mann-System. Dabei steuert der Witron-Materialflussrechner alle dafür notwendigen Palettenbewegungen aus dem Hochregallager und signalisiert den Mitarbeitern die Entnahmemengen über Pick-by-Light-Displays. Die dynamische Pickfront wird durch Querverschiebewagen auftragsbezogen generiert. Die Platzierung der Auftragspalette an der Pickfront selbst erfolgt zentral zwischen den einzelnen Lagerpaletten. Somit werden die Laufwege und Hebetätigkeiten für den Mitarbeiter auf ein Minimum begrenzt und trotz inhomogenen Artikelspektrums ein ergonomisches Arbeiten möglich. 

Die Auftragszusammenführung im OPS, im MPS und zwischen den OPS- und MPS-Bereichen wird durch das Lagerverwaltungssystem permanent überwacht. Dadurch wird der Kunde stets mit der idealen Packstückgröße beliefert. „Die jetzt mögliche Konsolidierung der kommissionierten Artikel hat den Volumennutzungsgrad der einzelnen Versandpackstücke ganz erheblich verbessert“, so Boecker. 

Gesamteinheitliches Logistik-Konzept integriert alle Arbeitsbereiche
Ein entscheidendes Kriterium für die Leistungsfähigkeit der Gesamtanlage ist, dass alle Lagerbereiche in das Gesamtkonzept integriert wurden. So werden die für Febi äußerst wichtigen Arbeitsbereiche wie die Produkt- und Satzpackerei über das Witron-Lagerverwaltungssystem optimiert und die Arbeitsplätze zum Großteil automatisiert ver- und entsorgt. Auch weitere mechanisierte Komponenten wie Packroboter und Beutelmaschinen bzw. verschiedenste manuelle Zonen wie das Sperrigteillager, das Flüssigkeitenlager oder den Versandbereich steuert die Witron-Lösung.

Onsite-Team hält Verfügbarkeit der Anlage permanent hoch
Damit die Wartung, Instandhaltung und Verfügbarkeit der Febi-Anlage auch nach dem Betriebsstart sichergestellt ist, hat Witron im Rahmen eines Servicevertrages ein so genanntes Onsite-Team in Ennepetal etabliert. „Mit dem Witron-Onsite-Team können wir unseren Kunden im laufenden Betrieb die bestmögliche Unterstützung bieten. Es ist für alle anfallenden Service, Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten verantwortlich. Auch Tätigkeiten, die die Haustechnik betreffen fallen mit in den Aufgabenbereich.“, erklärt Witron-Prokurist Josef Gallersdörfer das Konzept. „Gerade durch vorbeugende Wartung wird die Verfügbarkeit der Anlage permanent hochgehalten. Dies führt zusätzlich zu einer deutlichen Verbesserung der Effektivität und Produktivität.“

Mit dem bisher Erreichten sind die beiden Projektpartner jedenfalls vollauf zufrieden. „In einem nächsten Schritt wollen wir nun die Prozessabläufe zu unseren Tochtergesellschaften im Ausland weiter optimieren“, verweist Frank Boecker auf die kommenden Aufgabenstellungen. Das Logistikzentrum in Ennepetal wird auch hier der entscheidende Hebel zur Realisierung weiterer Effizienzgewinne sein.

*Thomas Wöhrle, Fachjournalist, Karlsruhe.

Drei Fragen an Febi-Logistikleiter Frank Boecker:

Logistik Heute: Herr Boecker, das Jahr 2009 war für die gesamte Automobilbranche ausgesprochen schwierig. Inwieweit gilt das auch für Ihr Geschäft mit Ersatzteilen?
Frank Boecker: Wenn die wirtschaftlichen Zeiten schlecht sind, halten sich die Kunden beim Neuwagenkauf in aller Regel spürbar zurück - sie fahren ihre Autos länger und benötigen dafür tendenziell mehr Ersatzteile. Dieser Trend war auch 2009 zu beobachten und so konnten wir unseren Umsatz auf einem relativ hohen Niveau stabil halten.

Logistik Heute: Gibt es weitere Marktentwicklungen, die ihr Geschäft beeinflusst haben?
Frank Boecker: Der Umsatz in Russland und weiten Teilen Osteuropas ist ebenso eingebrochen wie die Ersatzteilversorgung für Lkw ganz allgemein. Dies konnten wir allerdings kompensieren durch die mehr als erfreuliche Zunahme im Deutschland- und Westeuropageschäft.

Logistik Heute: Welche Auswirkungen hatte dies auf ihre Logistik?
Frank Boecker: Wir mussten auf diese Entwicklungen sehr schnell und flexibel reagieren, denn die Lieferfähigkeit gegenüber unseren Kunden musste auch bei veränderten Vorzeichen zu jedem Zeitpunkt sichergestellt sein. Das neue Logistikzentrum spielt die Schlüsselrolle dafür, dass wir auch in Zukunft effizient auf Marktveränderungen reagieren können.

Logistische Kennzahlen zu Febi Bilstein: 
Gesamtanzahl Behälterstellplätze (OPS): 136.000
Gesamtanzahl Palettenstellplätze (MPS):40.000
Gesamtanzahl Regalbediengeräte:21
Gesamtanzahl Kommissionierplätze: 26
Lagerumschlaghäufigkeit pro Jahr:6
Lagernutzfläche insgesamt:33.600 qm


Die Lieferanten des Febi-Logistikzentrums:

GewerkFirma
Generalunternehmung BauFrey + Frey Architekten PartG, Ennepetal
Planung und Generalunternehmung LogistikWitron Logistik + Informatik GmbH, Parkstein
LVS-SoftwareWitron Logistik + Informatik GmbH, Parkstein
Behälter-FördertechnikFAS Förderanlagen Systeme GmbH, Parkstein
Paletten-FördertechnikBinder GmbH, Burgstetten
Behälter-RegalbediengeräteTGW Logistics Group GmbH, Wels/Österreich
Paletten-RegalbediengeräteDambach Lagersysteme GmbH & Co. KG, Bischweier
LagerbehälterGeorg Utz GmbH, Schüttdorf
Stahlbau RegalanlagenFritz Schäfer GmbH, Neunkirchen


Über das Unternehmen Febi Bilstein:
Die Unternehmensgruppe Ferdinand Bilstein mit Sitz in Ennepetal ist ein führender Hersteller und Lieferant von Pkw- und Lkw-Ersatzteilen im so genannten automotiven Aftermarket. Der Jahresumsatz liegt bei rund 260 Millionen Euro. Unter der Marke Febi Bilstein liefert die Ferdinand Bilstein GmbH & Co. KG ein breites Sortiment von Ersatzteilen für Pkw und Nutzfahrzeuge an Großhändler in mehr als 130 Ländern. Diese Großhändler fungieren als Partner für die freien Werkstätten, die auf dem freien Ersatzteilmarkt Fahrzeuge warten und instandsetzen.
Über das Unternehmen Witron:
Im Jahr 1971 gegründet zählt die Witron Logistik + Informatik GmbH mit Hauptsitz in Parkstein (Oberpfalz/Ostbayern) heute zu den führenden Planern und Realisierern automatisierter Logistiklösungen. Zahlreiche nationale und internationale Marktführer aus Industrie und Handel setzen auf die interdisziplinäre und Branchen übergreifende Kompetenz, die sich Witron bei der Umsetzung mehr als 2.000 spezifischer Logistikprojekte erarbeitet hat. Als Generalunternehmer übernimmt Witron die Budget-, Termin- und Funktionsverantwortung während aller Projektphasen: Beginnend bei der Konzeption und Planung, während der Montage und gesamten Realisierungsphase der Logistikanlage sowie beim anschließenden Anlagenhochlauf.