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Future Electronics kommissioniert im Distributionszentrum EMEA DC Leipzig mit Witron-OPS

Der kanadische Distributor Future Electronics beliefert seit Anfang 2010 über sein neues Distributionszentrum in Leipzig Kunden in ganz Europa, dem Nahen Osten und Afrika mit Elektronikbauteilen. Als Generalunternehmer war für die Planung und Realisierung der Anlage der Parksteiner Systemintegrator Witron Logistik + Informatik GmbH verantwortlich. Witron hatte für Future Electronics bereits 2004 erfolgreich ein Distributionszentrum in Memphis geplant und realisiert.

„Das EMEA DC (Europe, Middle East, Africa) Distributionszentrum in Leipzig ist das logistische Herzstück unseres Next-Day-Lieferservices innerhalb von Europa, dem Nahen Osten und Afrika.“, sagt Reinhard Holland-Cunz, Direktor und Mitverantwortlicher für den Hochlauf von Future Electronics in Leipzig. „Auch können wir mit dieser Anlage für unsere Kunden auf Wunsch die komplette Lagerhaltung übernehmen sowie zahlreiche weitere Value Added Services anbieten“, nennt Holland-Cunz stolz weitere Wettbewerbsvorteile des Vorzeige-Objektes im Freistaat Sachsen.

Das automatisierte Zentrallager wurde exakt nach dem Vorbild des bestehenden Distributionszentrums in Memphis, Tennessee, als Greenfield-Lösung gebaut und mit modernsten Logistik-, Steuerungs-, und Softwarekomponenten ausgestattet. Im Jahre 2002 hatte sich in Memphis die in den USA damals noch verhältnismäßig unbekannte Witron Logistik + Informatik GmbH mit dem besten Konzept gegen zahlreiche Anbieter durchgesetzt und das Vertrauen von Future Electronics gewonnen. Als eines von weltweit drei Logistikzentren des kanadischen Elektronikteile-Distributors spielt es eine zentrale Rolle in der weiteren strategischen Ausrichtung des Unternehmens. „Mit dem Lager in Leipzig könnten wir sogar kurzfristig die Belieferung unserer Kunden in den USA mit übernehmen, sofern es dort Engpässe geben sollte“ so Holland-Cunz.

 

Standort Leipzig als Bindeglied zwischen West- und Osteuropa

„Mit dieser Ansiedlung von Future Electronics wird die Bedeutung des Standortes als internationales Logistikdrehkreuz weiter gefestigt“ sagte Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung bereits anlässlich des ersten Spatenstichs für das neue Distributionszentrum im Juli 2008. „Es ist ein neuer Beweis dafür, dass die Logistik eine der wichtigsten Zukunftsbranchen für Leipzig ist und riesiges Potenzial hat, viele Arbeitsplätze in der Region zu schaffen.“ Das erklärte Ziel von Future Electronics war es dabei – wie auch schon in Memphis – innerhalb von sehr kurzer Zeit ein Distributionszentrum zu errichten, das nicht nur den funktionellen Anforderungen vollumfänglich gerecht wird, sondern auch sowohl nach innen wie auch nach außen die Corporate Identity von Future Electronics perfekt wiederspiegelt. Dies konnte nur durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Future Electronics und Witron erreicht werden. „Wie schon während des Projektes in den USA sind Future und Witron auch bei diesem Projekt von Anfang an wieder in die gleiche Richtung gegangen“, so Reinhard Holland-Cunz. „Die Anlage in Memphis gilt in der Branche als eine Meisterleistung bezüglich Effektivität, Qualität und ROI. Das ist auch in Leipzig unser gemeinsames Ziel“.

Mit dem Distributionszentrum in Leipzig hat Future Electronics das manuell betriebene Zentrallager im englischen Hayes abgelöst. Das Logistikzentrum auf der britischen Insel war für weiteres Wachstum nicht ausgelegt. „Entscheidend für die Wahl des Standortes Leipzig war neben den günstigen Bau- und Investitionskosten vor allem seine zentrale Lage zwischen unserem bereits bestehenden Kundenstamm sowie den zukünftigen Wachstumsmärkten“, so Holland-Cunz. „Die langfristig gesicherte Anbindung an den Leipziger Europa-Hub von DHL für Luftfrachtsendungen sowie die Trimodalität der verfügbaren Verkehrsträger haben dann endgültig den Ausschlag für diesen Standort gegeben.“ Auch die Verfügbarkeit von jungen, qualifizierten Arbeitskräften sowie auch ganz gezielt von Mitarbeitern ab 55 Jahren hätten eine wichtige Rolle bei der Auswahl gespielt. „Aufgrund unseres Artikelspektrums müssen wir allergrößten Wert auf Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit legen – Eigenschaften, die vor allem ältere Arbeitnehmer in der Regel gut verkörpern“, erklärt Holland-Cunz. „Durch die ergonomischen Arbeitsplätze des OPS-Systems, sind diese erfahrenen Mitarbeiter optimal in die Arbeitsprozesse integriert. Generell können wir sagen, dass sich durch die Automatisierungsunterstützung die Qualität der Kommissionierung, die Lieferperformance und die komplette Prozesstransparenz im Vergleich zu einer manuellen Lösung erheblich gesteigert hat“.

 

Bewährte Lösungen von entscheidender Bedeutung

Über das 15.000 Quadratmeter große Leipziger Distributionszentrum werden nun Kunden aus der Elektronikindustrie in ganz Europa, Afrika sowie dem Nahen Osten unter anderem mit Halbleitern, passiven Verbindungskomponenten, LCD-Displays, kabellosen Übertragungsmedien, RFID-Lösungsmodulen sowie einer Vielzahl weiterer Elektronikkomponenten beliefert. Dabei beinhaltet das Artikelsortiment auch Teile, welche nur etwa 1 mm groß sind. „Der Leistungsumfang von logistischer Seite umfaßt neben dem Design und der Feinplanung auch die Lieferung, Montage und Inbetriebnahme sämtlicher mechanischer Lager- und fördertechnischer Einrichtungen“, erklärt Witron-Projektleiter Hans Schütz. „Dazu zählen auch alle dafür benötigten IT-Systeme, die Lagerverwaltungssoftware, SPS-Steuerungen, Netzwerke, und Peripheriegeräte.“ Neben einer hohen Verfügbarkeit der Anlage, die bei Bedarf 365 Tage im Jahr 24 Stunden genutzt werden kann, ist in der Elektronikbranche aufgrund der Kritikalität des Artikel- und Kundenspektrums ein leistungsfähiges Lagerverwaltungssystem extrem wichtig. „Wie schon beim ersten Projekt in Memphis nutzt Future auch in Leipzig unser Witron-WMS (Lagerverwaltungssystem). Dieses enthält neben vielen Basisfunktionen zahlreiche branchenspezifische Features. Dafür ist ein einheitliches sowie für die Standorte Memphis und Leipzig gleiches Funktionspaket realisiert worden, das den Anforderungen von Future Electronics vollumfänglich entspricht und zukünftig auch an weiteren Standorten des Unternehmens eingesetzt werden kann. Dabei unterstützt das WMS gleichzeitig die intensive Kommunikation mit den Future-eigenen Systemen und gewährleistet somit die weltweite Transparenz.“, führt Schütz weiter aus.

„Auch die Implementierung von redundanten Systemen sowohl auf fördertechnischer Ebene als auch im IT-Umfeld hatte eine für das Unternehmen Future sehr hohe Priorität“, so Schütz. Darüber hinaus mussten sämtliche Installationen nach den gültigen ESD-Schutzvorschriften ausgeführt werden, da in Leipzig zum Teil sehr empfindliche elektronische Bauteile gelagert werden. ESD steht dabei für „Electrostatic Discharge“, also ungewollte elektrostatische Entladungen. Die ESD-Schutzmaßnahmen verhindern, dass Bauteile dadurch zerstört werden können. Neben den geeigneten Behältern setzt Witron für Future Electronics speziell konzipierte Arbeitstische ein, die diesen hohen Anforderungen entsprechen. Auch entsprechende Fußböden, klimatisierte, feuchtigkeits-kontrollierte Räume und eine sehr hohe Sauberkeit in der Anlage sind in diesem Zusammenhang notwendig.

 

Behälterlösung OPS für breit angelegtes Artikelspektrum

Wie schon im vorausgegangenen Projekt in Memphis nutzt der Elektronikspezialist Future auch am Standort Leipzig die Vorteile des standardisierten und modular aufgebauten Witron-Behälterkommissioniersystems OPS (Order Picking System), da sich diese Lösung für das Handling sehr breiter Sortimente optimal eignet. Die Artikel werden an 20 Arbeitsplätzen nach dem Ware-zum-Mann-Prinzip auftragsbezogen und sequenziell bereitgestellt, kommissioniert und anschließend in den Versandkarton verpackt. Dabei verlagert das OPS das Zusammenführen der Aufträge direkt an die Kommissionierarbeitsplätze, die je nach Bedarf individuell und flexibel besetzt werden können. OPS integriert die Lagerung und Kommissionierung in einem System und hat sich bereits in zahlreichen Anwendungen weltweit für das automatisierte Handling von sehr breiten Artikelspektren als äußerst wirtschaftlich und effizient erwiesen.

„Die ergonomisch ausgestalteten Kommissionierplätze mit direkt nachgeschalteten Qualitätskontroll- und Packplätzen führen zu gegen Null tendierenden Fehlerraten sowie einer hohen Kommissionierleistung der Mitarbeiter“, sagt Witron-Projektleiter Schütz. „Auch können Sonderwünsche der Future-Kunden an den Kommissionier- und Verpackungsplätzen flexibel berücksichtigt werden. Weiterhin können in einem OPS-System die kommissionierten Waren problemlos und systemintegriert nachbearbeitet beziehungsweise kundenspezifisch konfektioniert werden. Auch die Versandabwicklung bis hin zur fördertechnischen Sortierung der Packstücke für den jeweiligen externen Dienstleister im Warenausgang wird von OPS unterstützt und ist vollumfänglich in den gesamten Prozessablauf eingebunden.

“Im Gegensatz zu einem manuellen Lager werden den Kommissionierern und Verpackern die Artikel und alle notwendigen Informationen für jeden Auftrag automatisch vom System bereit gestellt. Das System ist der optimale Dienstleister für unsere Mitarbeiter“, stimmt Future-Manager Reinhard Holland-Cunz zu.

 

Produktive Nutzung zwei Monate schneller als geplant

In dem zehngassigen automatischen Kleinteilelager (AKL) mit insgesamt 285.000 Behälterstellplätzen und einem zweigassigen automatischen Hochregallager mit 4.500 Palettenstellplätzen kann Future Electronics zukünftig mehr als 100.000 verschiedene Artikel lagern. Aufgrund der doppeltiefen Lagerung ist trotz einer Vielzahl sehr kleinvolumiger Artikel eine effiziente und platzsparende Lagerung problemlos möglich. Rund 4.200 Pakete können täglich das Distributionszentrum verlassen - dies entspricht einer Kommissionierleistung von 18.000 Picks pro Tag. Die gesamte Anlage ist für die erwarteten Volumensteigerungen in den kommenden fünf Jahren ausgelegt. Insgesamt hat Future Electronics über 40 Millionen Euro in den Standort Leipzig investiert, der Anteil für den Liefer- und Leistungsumfang von Witron beträgt etwas mehr als 20 Millionen Euro.

Neben ausführlichen Tests und Simulationen schickte der kanadische Distributor Mitarbeiter für einige Wochen in die USA, um die für Leipzig vorgesehenen Prozessabläufe in Memphis live anzuschauen und erlernen zu können. „Dadurch haben wir im Rahmen des Hochlaufs keinerlei unliebsamen Überraschungen erlebt“, sagt Reinhard Holland-Cunz, der schon im Jahr 2004 an der Inbetriebnahme des Witron-Lagers in Memphis mitgearbeitet hatte. „Unsere Kunden haben überhaupt nichts mitbekommen, als wir vom Lager in England in das Lager nach Leipzig umgezogen sind. Selbst in der Konzernzentrale in Kanada hat der eine oder andere gefragt, wann denn der Umzug jetzt stattfindet – und dies zu einem Zeitpunkt, als dieser schon fast abgeschlossen war.

Somit konnte die Anlage in Leipzig schon zwei Monate früher genutzt werden, als ursprünglich geplant.

 

Systemangleich des Distributionszentrums in China ebenfalls denkbar

Nach dem Abschluss der Hochlaufphase im Sommer 2010 ist Future Electronics mit der Leistungsfähigkeit des OPS-Systems von Witron ausgesprochen zufrieden. „Wir sind in der Lage, unsere Kunden deutlich schneller beliefern zu können“, so Holland-Cunz. „Expresslieferungen innerhalb von vier Stunden sind heute ohne Weiteres möglich.“ Die Anzahl der Picks pro Mitarbeiter in der Kommissionierung hat sich schon in den ersten Monaten bereits erheblich gegenüber dem zuvor betriebenen manuellen Lager im englischen Hayes gesteigert und auch die Fehlerraten haben sich deutlich reduziert. Darüber hinaus konnte Future Electronics die Anzahl der Mitarbeiter in Lager und Kommissionierung im Vergleich zum manuellen Lager verringern, was unter dem Strich natürlich auch zu einer sehr viel effizienteren Kostenstruktur geführt hat.

Aufgrund der positiven Erfahrungen in Memphis und Leipzig hält Future Electronics es für möglich ein Witron-WMS am geplanten Distributionsstandort in China einzusetzen. In der Systemgleichheit der Standorte sieht Future Electronics einen weiteren Wettbewerbsvorteil im internationalen Geschäft. „Denn für uns und unsere Kunden ist ein global vernetztes Supply Chain Management mit der Einbindung der Beschaffung und der Lagerhaltung von entscheidender Bedeutung“, so Holland-Cunz. „Wir möchten erreichen, dass die Belieferung einzelner Regionen vollkommen flexibel gehandhabt werden könnte – sozusagen ein „ship from everywhere to everywhere‘“.

Thomas Wöhrle, Fachjournalist, Karlsruhe.